Ist die Kunst auf den Hund gekommen? – Exkursion des Beruflichen Gymnasiums nach Düsseldorf

Ist die Kunst auf den Hund gekommen? – Exkursion des Beruflichen Gymnasiums nach Düsseldorf

Traditionell beginnt das Berufliche Gymnasium (BGYM) des Adolph-Kolping-Berufskollegs das neue Jahr mit einer Exkursion nach Düsseldorf. In diesem Jahr besuchten gleich zwei Klassen den Kunsthandel ARTAX, einen Kooperationspartner des BGYM seit der ersten Stunde. Herr Kleinsimmlinghaus und sein langjähriger Mitarbeiter Herr Rummeny haben sich wieder viel Zeit genommen, den Schülerinnen und Schülern der Klassen GT 11 und GT 13 Rede und Antwort zu stehen. Und wieder überzeugt der Kunsthandel mit seinem Angebot von über 6000 nach 1945 entstandenen Kunstwerken für inspirierenden Kunstgenuss und Überraschungen. Ist etwa der Hund, ein ziemlich alter Golden Retriever, der von Zeit zu Zeit Aufmerksamkeit suchte, wohl auch ein „Kunstwerk“?

Herr Rummeny, ein wahrer Kenner des Künstlers Joseph Beuys, erzählte den Schülerinnen und Schülern unterhaltsame Geschichten über wahre und falsche Beuysarbeiten, mit denen er im Laufe seiner Zeit bei ARTAX konfrontiert wurde. Auch das Publikum habe sich über die Jahre verändert; vom Sammler zum Anleger, vom Bedürfnis nach Kunst zum Bedürfnis nach Dekoration. Aber Herr Rummeny zeigte sich trotzdem sehr zuversichtlich: „ARTAX spricht dafür, dass die Kunst nicht auf den Hund gekommen ist. Denn wer verliebt sich in ein wahrhaft großes Kunstwerk? Die Kunstlehrerinnen! Und die müssen ja wissen, was Kunst ist.“

Im Anschluss zogen die Schülerinnen und Schüler in Begleitung ihrer Kunstlehrerinnen Frau Gernun und Frau Grundhoff zügig weiter zum Düsseldorfer Kunstpalast, wo sie die Ausstellung „Hinter dem Vorhang, Verhüllung und Enthüllung von Tizian bis Christo“ erwartete. In zwei Gruppen wurden die Schülerinnen und Schüler durch die Ausstellung geführt und ihre Neugierde auf die verborgenen Welten geweckt.

Sie erfuhren, dass am Anfang ein Wettstreit zweier antiker griechischer Maler stand, die sich in der Virtuosität der künstlerischen Augentäuschung überbieten wollten. Konnte Zeuxis allerdings nur die Tauben täuschen, die an seinen gemalten Trauben picken wollten, gelang Parrhasios die Irreführung des Konkurrenten. So wollte Zeuxis den von Parrhasios gemalten Vorhang beiseiteschieben, um das vermeintlich dahinterstehende Bild betrachten zu können. Das faszinierende Wechselspiel zwischen Verbergen und Zeigen, Verhüllen und Enthüllen mit Vorhang, Schleier oder Draperien wird in der exklusiv in Düsseldorf gezeigten Themenschau mit bedeutenden Kunstwerken aus sechs Jahrhunderten vorgestellt.

Die Epochen und Gattungen übergreifende Ausstellung schlägt nicht nur in der Auswahl der Kunstwerke einen Bogen bis in die Gegenwart. Der Schleier, das Verbergen und Zeigen spielen bis in die aktuelle Gegenwart hinein in religiösen und gesellschaftlichen Zusammenhängen ebenso wie in der Mode eine bedeutende Rolle.

So werden zahlreiche Momente der Ausstellung auch den künftigen Unterricht im Beruflichen Gymnasium befruchten, denn das Interesse am Verborgenen oder auch die Angst vor dem nicht Gezeigten durchdringt unseren Alltag und gibt immer wieder Anlass für „Menschliches, Allzumenschliches“ im Dialog zwischen Anziehung und Ablehnung.

Text und Fotos: Ellen Gernun

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