Keramikkunst auf Kreta – Malien (BGY23) berichtet über ihr Auslandspraktikum
Malien aus der Jahrgangsstufe 13 des Beruflichen Gymnasiums des Adolph-Kolping-Berufskollegs hat ihr Praktikum im Rahmen des Erasmus+ Programms vom 6. Juli bis 30. August 2026 in einem Keramikstudio mit eigener Werkstatt, Laden und Kursangebot in Margarites auf Kreta (Griechenland) absolviert. In einem Interview mit unserer Europakoordinatorin und Fachlehrerin Frau Timpe erzählt sie von ihren Praktikumserfahrungen im Ausland.
Warum hast du dich für ein Praktikum im Ausland entschieden?
Ich fand es eine einmalige Möglichkeit, mit dieser Unterstützung in ein anderes Land zu reisen und in einem völlig neuen Umfeld von anderen etwas zu lernen, das mir selbst noch fremd war.
Warum ausgerechnet in dem Land?
Ich wollte schon immer einmal nach Griechenland. Als ich auf Kreta das Keramikdorf entdeckt habe, in dem auch Praktikumsstellen angeboten wurden, habe ich mich direkt dafür entschieden und dachte: Das muss ich machen.
Was waren deine Aufgaben im Praktikum?
Meine Aufgaben richteten sich danach, was gerade im Laden gebraucht wurde. Ich habe Magnete aus Ton hergestellt, bemalt und glasiert, Kakteen aus Ton geformt, Schlüsselanhänger angefertigt und mit Bändern verfeinert und Fliesen bemalt. Dadurch war die Arbeit immer abwechslungsreich. Ich habe viel mit den Händen gearbeitet und außerdem im Laden ausgeholfen.
Welche Orte hast du besucht?
Ich war in Margarites, einem Dorf auf Kreta. Von dort konnte ich mit dem Bus nach Rethymno fahren, der nächstgrößeren und ebenfalls wunderschönen Stadt. An meinen freien Tagen war ich oft am Strand in Panormos. Für eine Woche habe ich zusammen mit meiner Schwester ein Auto gemietet. So konnten wir außerhalb meiner Arbeitszeiten über die Insel reisen, Chania besuchen und auch weiter entfernte Strände sehen.
In welcher Sprache hast du kommuniziert?
Ich habe größtenteils Englisch gesprochen. Weil viele Kunden aus Deutschland kamen, konnte ich mit ihnen auch immer wieder Deutsch sprechen und erzählen, was mich nach Griechenland gebracht hat und wie mein Praktikum läuft. Sie waren immer sehr neugierig. Ein kleines bisschen Griechisch habe ich ebenfalls gelernt, aber leider nicht genug für richtige Gespräche.
Welchen Menschen bist du begegnet? Wer hat dich unterstützt und betreut?
Weil Margarites ein bekanntes Keramikdorf ist, habe ich andere Praktikantinnen und Praktikanten aus Polen, Frankreich, Deutschland und Tschechien kennengelernt. Wir haben uns angefreundet, gemeinsam die Abende verbracht, sind essen oder spazieren gegangen und haben uns ausgetauscht. Betreut hat mich vor allem meine Chefin. Auch mit einer Langzeitpraktikantin aus Tschechien habe ich mich sehr angefreundet. An sie konnte ich mich immer wenden, ich habe viel mit ihr im Laden gearbeitet und sie hat mich sehr unterstützt.
Was hast du Neues gelernt? Was hast du über dich selbst gelernt?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Arbeit an der Drehscheibe. Sie war deutlich schwieriger, als ich gedacht hatte, und brauchte viel Übung. Ich habe gelernt, mehr Verantwortung zu übernehmen, vor allem im Laden, weil mir dort sehr viel anvertraut wurde. Außerdem habe ich mit Farben auf Ton gearbeitet und den gesamten Prozess von der Herstellung über das Glasieren bis zum Brennen kennengelernt.
Über mich selbst habe ich gelernt, dass ich sehr gerne mit meinen Händen arbeite. Auch wenn die Arbeit manchmal schmutziger oder anstrengender ist, macht sie mir viel Spaß, weil ich das Ergebnis am Ende sehen und sogar in den Händen halten kann. Ich habe auch gemerkt, dass ich gerne mit Menschen in einem kreativen Umfeld arbeite, weil man sich viel austauschen und gleichzeitig Dinge machen kann, die einem Spaß machen.
Was war das überraschendste, aufregendste oder tollste Erlebnis?
Mein tollstes Erlebnis war, dass ich an eigenen kreativen Projekten arbeiten durfte. Ich konnte selbstständig viel Zeit an der Drehscheibe verbringen und lernen, wie man den Ton zentriert und die Wände hochzieht. Das war viel aufwendiger und schwieriger, als ich gedacht hatte. Außerdem durfte ich eigene Vasen mit der Coil-Technik herstellen und am Ende mitnehmen. Sie sind jetzt ein sehr schönes Andenken, weil ich immer daran denken muss, dass ich sie selbst gemacht habe. Darauf bin ich natürlich besonders stolz.
Gab es auch mal schwierige Situationen? Wie bist du damit umgegangen?
Ja. Nach den ersten zwei Wochen musste ich umziehen, weil ich in Perama wohnte und in Margarites arbeitete, es aber keine öffentliche Verbindung zwischen den beiden Dörfern gab. Zum Glück habe ich eine Wohnung in Margarites gefunden, die sogarnoch viel schöner war als meine Erste, und ich konnte umziehen.
Auch auf der Rückreise gab es kleinere Herausforderungen. Zwar hat im Großen und Ganzen alles geklappt – die Busse fuhren, die Fähre war pünktlich -,aber auf der Fähre habe ich nachts gefroren, weil ich auf dem Boden schlafen musste und das vorher nicht wusste und für das Übergewicht meines Gepäcks musste ich bezahlen, weil ich so viele Souvenirs mitgenommen hatte. Als ich dann in München ankam, fiel auch noch mein ICE nach Münster aus. Zum Glück habe ich eine andere Verbindung gefunden und bin am Ende sogar zwei Stunden früher angekommen.
Wenn man bedenkt, dass ich die lange Reise von Kreta nach Münster mit Bus, Bahn und Fähre zurückgelegt habe, hat alles erstaunlich gut funktioniert und wenn mal etwas nicht nach Plan lief, habe ich mir immer wieder gesagt: „Das ist jetzt doof, aber ich kriege das hin.“ Und das habe ich auch. Ich habe immer eine Lösung gefunden und bin am Ende stolz auf mich, dass ich alles allein geschafft habe.
Würdest du ein Auslandspraktikum weiterempfehlen?
Ich würde ein Auslandspraktikum jedem weiterempfehlen. Das ist eine Erfahrung, die man so nicht noch einmal macht. Wann lernt man so viele Techniken von Menschen aus einem anderen Land kennen – mit neuen Sprachen und in einem neuen Umfeld. Die Reise ist ein Abenteuer für sich und am Ende ist man einfach stolz auf sich.
Welchen Rat würdest du interessierten MitschülerInnen geben?
Informiert euch vorher gut, wo ihr das Praktikum machen möchtet und warum. Wenn ihr dann dort seid, solltet ihr nicht nur arbeiten, sondern auch etwas Neues sehen. Nutzt es aus, dass ihr im Ausland seid, erkundet euren Ort und seht so viel wie möglich. Diese Erfahrungen kommen zusätzlich zum Praktikum dazu und dafür könnt ihr eure Freizeit nutzen.
Hat das Stipendium alle Kosten gedeckt?
Ja, das Stipendium hat meine Kosten gedeckt. Ich konnte meine Miete problemlos bezahlen, die Kosten der Rückreise waren abgedeckt und auch beim Essen bin ich sehr gut ausgekommen.
Für weitere Informationen und Hilfe bei den Formalitäten steht unsere Europakoordinatorin Frau Timpe bereit.






