Theaterluft in Salzburg – Tim (BGY23) berichtet über sein Auslandspraktikum

Theaterluft in Salzburg – Tim (BGY23) berichtet über sein Auslandspraktikum

Tim Möllers aus der Jahrgangsstufe 13 des Beruflichen Gymnasiums des Adolph-Kolping-Berufskollegs hat sein Praktikum im Rahmen des Erasmus+ Programms vom 29. Juni bis 11. September 2026 bei einem Theater- und Festivalbetrieb in Salzburg (Österreich) absolviert. In einem Interview mit unserer Europakoordinatorin und Fachlehrerin Frau Timpe erzählt er von seinen Praktikumserfahrungen im Ausland.

Warum hast du dich für ein Praktikum im Ausland entschieden?
Ich finde den kulturellen Austausch total spannend. Auch wenn der Sprung zwischen Deutschland und Österreich nicht so groß ist, ist die Theaterwelt hier ein bisschen anders. Man lernt viel über die Menschen und sprachlichen Besonderheiten in einem anderen Land. Erasmus+ bietet dafür eine total gute Möglichkeit.

Warum ausgerechnet in Österreich?
Ich wollte sowieso ans Theater. Da die Theater gerade Sommerpause hatten, habe ich nach Theaterfestivals gesucht und bin so auf ein großes Festival in Salzburg gekommen. In Österreich konnte ich auf Deutsch richtig mitarbeiten, auch wenn ich im Praktikum ebenfalls viel Englisch gesprochen habe. Außerdem habe ich schon einmal ein Praktikum in Österreich an einem Theater in Wien gemacht und es hat mir dort total gut gefallen.

Was waren deine Aufgaben im Praktikum?
Ich war im Künstlerischen Betriebsbüro Schauspiel und hatte sehr vielfältige Aufgaben. Jeder Tag war anders. Ich habe Premieren-Einladungen vorbereitet, bei der Künstlerbetreuung und Disposition geholfen, Probenprozesse unterstützt und Aufgaben einer Regieassistenz übernommen. Außerdem lernte ich die Arbeit des Inspizienten kennen – das ist derjenige, der den Ablauf einer Vorstellung koordiniert und die Cues, also die Auftrittszeichen gibt. Ich koordinierte Proben und Räume und bekam Einblicke in Premierenfeiern sowie in die künstlerische Arbeit verschiedener Produktionen. Besonders spannend war, bei großen Regisseuren hineinzuschnuppern und mit KünstlerInnen über ihre beruflichen Wege zu sprechen.

Welche Orte hast du besucht?
Da das Festival über die gesamte Salzburger Altstadt verteilt war, habe ich viele Spielorte, Theater und Probenräume gesehen. Eine Spielstätte lag in Hallein etwas außerhalb von Salzburg. In meiner Freizeit war ich auf einem Berg wandern und an einem der vielen Seen in der Umgebung.

In welcher Sprache hast du kommuniziert?
Grundsätzlich habe ich Deutsch gesprochen, zwischendurch aber auch Englisch. Bei dem internationalen Festival kamen viele Menschen aus anderen Ländern, und bei einem Gastspiel aus Warschau war Englisch die gemeinsame Arbeitssprache. Interessant fand ich auch die österreichischen Wörter, die ich neu kennengelernt habe.

Welchen Menschen bist du begegnet? Wer hat dich unterstützt und betreut?
Während des Festivals ist die ganze Stadt voll von SchauspielerInnen, TänzerInnen, RegisseurInnen und anderen Künstlerpersonen. Ich begegnete unter anderem den Regisseuren Ulrich Rasche, Castellucci und Warlikowski sowie verschiedenen SchauspielerInnen. Betreut haben mich vor allem Moritz und Fiona. In unserem fünfköpfigen Büro lernte ich auch Sonja und die Praktikantin Anna kennen, die aus dem juristischen Bereich kam. Dadurch wurde mir klar, wie viele unterschiedliche Wege ins Theater führen können.

Was hast du Neues gelernt? Was hast du über dich selbst gelernt?
Ich habe viele Berufe am Theater kennengelernt – von Technik, Kostüm, Maske, Requisite und Garderobe bis zur Inspizienz, zu Assistenzstellen und zum rechtlichen Bereich. Theater ist Teamarbeit: Nicht nur die Menschen auf der Bühne sind wichtig, sondern auch alle drumherum. Alle sind aufeinander angewiesen.
Bei einer Kooperation mit dem Berliner Ensemble wurde mir bewusst, dass Reibung und schwierige Entscheidungen zu künstlerischen Produktionen dazu gehören. Da wurde ein fertig gebautes Bühnenbild einfach wieder umgeworfen und als Müllhaufen auf die Bühne gelegt. Das war sehr spannend, diesen Entscheidungsprozess mitzuerleben.
Da ich selbst eine Schauspielausbildung anstrebe, war der Austausch mit SchauspielerInnen über ihre unterschiedlichen beruflichen Wege besonders wertvoll. Außerdem habe ich viel über die Geschichte des Festivals gelernt. „Jedermann“, der dort seit mehr als 100 Jahren gespielt wird, hat bis heute einen besonderen Platz im Schauspielprogramm.
Über mich selbst habe ich durch das eigenständige Leben in Salzburg viel gelernt. Ich wohnte in einer internationalen WG, lernte andere Kulturen und auch alltägliche Unterschiede kennen – zum Beispiel, dass der Billa, also quasi der österreichische Rewe, schon um 18 Uhr schließt oder wie man Kaiserschmarrn macht.

Was war das überraschendste, aufregendste oder tollste Erlebnis?
Die Premiere war total aufregend. Ich begleitete den Probenprozess, sah danach das Stück und las in den Presseartikeln, wie es aufgenommen wurde. Anschließend sprach ich mit den SchauspielerInnen über ihr Erlebnis. Das war schon ergreifend.

Gab es auch mal schwierige Situationen? Wie bist du damit umgegangen?
Einmal erkannte ich im Büro eine bekannte Schauspielerin nicht und bin ins Fettnäpfchen getreten. Im Nachhinein war das aber gar nicht schlimm: Wir begegneten uns auf Augenhöhe, unterhielten uns nett und fanden die Situation lustig. Manchmal war es außerdem schwierig einzuschätzen, wie viel Raum man anderen Menschen geben sollte.

Würdest du ein Auslandspraktikum weiterempfehlen?
Auf jeden Fall. Man lernt viel über sich selbst, über das Land und die Kultur, besonders wenn man allein wohnt und in einer internationalen WG mit anderen Kulturen in Kontakt kommt.

Welchen Rat würdest du interessierten MitschülerInnen geben?
Ich würde dazu raten, einfach mal ein Auslandspraktikum zu machen.

Hat das Stipendium alle Kosten gedeckt?
Ja, das Stipendium hat alle Kosten gedeckt. Salzburg ist bei Lebensmitteln und Miete recht teuer, aber das Erasmus+-Geld hat dafür sehr gut gereicht.

Für weitere Informationen und Hilfe bei den Formalitäten steht unsere Europakoordinatorin Frau Timpe bereit.