Mosaikkunst in Rom – Leo und Lilo (BGY23) berichten über ihr Auslandspraktikum

Mosaikkunst in Rom – Leo und Lilo (BGY23) berichten über ihr Auslandspraktikum

Leo und Lilo aus der Jahrgangsstufe 13 des Beruflichen Gymnasiums des Adolph-Kolping-Berufskollegs haben ihr Praktikum im Rahmen des Erasmus+ Programms vom 6. Juli bis 28. August 2026 in einem traditionellen Mosaikstudio in Rom (Italien) absolviert. In einem Interview mit unserer Europakoordinatorin und Fachlehrerin Frau Timpe erzählen sie von ihren Praktikumserfahrungen im Ausland.

Interview mit Leo:
Warum hast du dich für ein Praktikum im Ausland entschieden?
Ich finde die Möglichkeit total toll, ein Praktikum im Ausland zu machen. Ohne die Erasmus+-Förderung wäre es mir sonst nicht möglich, das zu finanzieren, weil ein Praktikum meistens unbezahlt ist. Ich finde es großartig, dass es Erasmus+-geförderte Praktika im Ausland gibt.

Warum ausgerechnet in Italien?
Ich habe mich für Italien entschieden, weil es meine zweite Heimat ist. Nicht speziell Rom, aber Italienisch ist eine Sprache, mit der ich aufgewachsen bin und die mir im Alltag in Deutschland sehr fehlt.

Was waren deine Aufgaben im Praktikum?
Wir haben viel Material vorbereitet, Rahmen gebaut, Steine zerteilt, Workshops vorbereitet und an Mosaiken mitgearbeitet. Außerdem haben wir Erkundungstouren gemacht und uns Mosaike in der Stadt angeschaut. Ich habe auch am Computer für dasselbe Motiv verschiedene Farbvarianten in Photoshop erstellt, um zu prüfen, was am Ende gut aussieht und was wir realisieren wollen.

Welche Orte hast du besucht?
Wir waren in Ostia Antica Richtung Meer. Das ist wie ein altes Dorf, von dem nur noch die Ruinen erhalten sind, und es ist ganz toll. Außerdem haben wir uns den Palazzo Massimo angeschaut. Die dort ausgestellten Mosaike wurden von unserem Studio restauriert. Über Ferragosto, einen der größten Feiertage in Italien, waren wir in der Toskana und in einem kleinen Dorf mit einem Straßenfestival, auf dem viele Straßenkünstler und Musiker auftraten. Ansonsten habe ich auch Rom erkundet. Bei durchgehend ungefähr 40 Grad ging das eher abends und am Wochenende, weil wir unter der Woche fünf Tage gearbeitet haben und früh raus mussten.

In welcher Sprache hast du kommuniziert?
Ich habe größtenteils Italienisch und teilweise Englisch gesprochen. Als Lilo dazugekommen ist, sind wir häufiger ins Englische gewechselt.

Welchen Menschen bist du begegnet? Wer hat dich unterstützt und betreut?
Ich habe bei einem Freund meiner Tante gewohnt. Er hat einen Sohn ungefähr in meinem Alter, mit dem ich mich gut angefreundet habe. Über ihn habe ich weitere Leute kennengelernt. Außerdem habe ich viel mit Lilo gemacht. Auch im Praktikum kam ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen sehr gut klar. Sie haben mir Tipps für Orte gegeben, die ich besuchen kann, und mit einer Kollegin habe ich mich sogar zum Zöpfe-Flechten verabredet. Ich wurde nicht nur bei der Arbeit gut integriert, sondern wir verstehen uns auch darüber hinaus sehr gut. Auch meine Chefin Giuliana ist total toll. Sie bringt mir viel bei und fordert mich heraus.

Was hast du Neues gelernt? Was hast du über dich selbst gelernt?
Vor allem habe ich wieder neue Menschen kennengelernt. In Münster und auch auf Sardinien war ich bisher in einem bekannten Umfeld. Es war eine sehr schöne Erfahrung, neue Freundschaften zu schließen. Ich habe gemerkt, dass ich das gut hinbekomme und nicht eingeschüchtert sein muss, nur weil andere Menschen total cool aussehen. Ich bin selbst auch cool und kann mir zutrauen, neue Freundschaften zu schließen. Das war für mich der wichtigste Punkt.

Was war das überraschendste, aufregendste oder tollste Erlebnis?
Im ersten Monat haben wir bei der Arbeit das „Imagine“-Mosaik nachgebaut, das der Gründer unseres Studios für den Central Park in New York als Denkmal für John Lennon geschaffen hat. Wir haben die Nachbildung für den Eingang unseres Studios angefertigt und dafür ungefähr 2.000 Jahre alte Steine verwendet, die nach Restaurierungsarbeiten aufbewahrt worden waren. Das war toll und gleichzeitig ziemlich schwierig, weil wir die Steine möglichst wenig teilen wollten und deshalb immer nach dem perfekten Stein gesucht haben. Mit so alten Steinen zu arbeiten und ein sehr berühmtes Mosaik nachzubauen, war schon verrückt und sehr cool.

Gab es auch mal schwierige Situationen? Wie bist du damit umgegangen?
Die Wohnungssuche in Rom ist auf jeden Fall „not for the weak“, aber das ist wahrscheinlich in jeder großen Stadt so. Ich hatte ja das Glück, die erste Zeit bei einem Bekannten wohnen zu können, aber da ich mein Praktikum hier verlängere, musste ich mir nun eine eigene Wohnung suchen, aber auch das hat geklappt!

Würdest du ein Auslandspraktikum weiterempfehlen?
Ich würde ein Auslandspraktikum auf jeden Fall weiterempfehlen. Das ist inzwischen schon mein zweites Praktikum im Ausland. In der Jahrgangsstufe 12 war ich bereits auf Sardinien in einem Open Air Varieté. In jedem Praktikum lernt man etwas Neues und einen anderen Arbeitsrhythmus kennen. Im Ausland bekommt man aber zusätzlich eine Alltagsrealität mit, für die man sonst kaum Zeit hat. Im Urlaub oder auf Reisen taucht man nicht so sehr in ein Land ein wie dann, wenn man dort tatsächlich arbeitet. Diese Chance finde ich total toll.

Welchen Rat würdest du interessierten MitschülerInnen geben?
Es kann sehr helfen, zu zweit zu sein. Lilo und ich konnten einander unterstützen, wenn eine von uns überfordert war. Bei ihrer Ankunft war sie wegen Schwierigkeiten mit ihrem Vermieter unsicher, ob sie vielleicht betrogen wird. Später bekam sie eine Mandelentzündung. Sie hätte das alles auch allein geschafft, aber es war schön, nicht allein zu sein.
Zu zweit zu reisen kann vielleicht dazu führen, dass man etwas weniger auf andere Menschen zugeht. In unserem Fall war das aber nicht so: Wir sind trotzdem rausgegangen und haben Leute kennengelernt. Man schafft ein Auslandspraktikum auch allein; mein vorheriges Praktikum habe ich auch allein geschafft. Diesmal war es schön, das Praktikum mit Lilo zu erleben, gerade weil ich den Vergleich habe.
Mein wichtigster Rat ist: einfach trauen. Natürlich wird es Situationen geben, in denen man überfordert ist, und in einem fremden Land kann das schwieriger sein. Durch Erasmus+ waren wir aber zum Beispiel versichert. Lilo konnte wegen ihrer Mandelentzündung zum Arzt gehen, ohne dass das ein Problem war. Mir gibt es viel Sicherheit zu wissen, dass ich durch Erasmus+ gut abgesichert bin. Man muss ein bisschen Mut haben und vielleicht auch mal ins kalte Wasser springen.

Hat das Stipendium alle Kosten gedeckt?
Mehr oder weniger. Ich habe eine relativ günstige Miete gezahlt, so dass noch ordentlich etwas für Einkäufe, Museumsbesuche und Ähnliches übrigblieb. Für meine Ansprüche hat das Geld gereicht. Ich esse allerdings auch nicht viel auswärts, sondern koche selbst und nehme mein Essen mit. Wenn man viel unterwegs oder im Restaurant isst, könnte es knapp werden. Für meinen Lebensstil passt es ziemlich genau.

Interview mit Lilo:

Warum hast du dich für ein Praktikum im Ausland entschieden?
Ich finde es spannend, nicht nur beruflich etwas dazuzulernen, sondern auch eine andere Kultur kennenzulernen und zu erleben, wie es ist, dort zu leben. Ich wollte nicht nur als Touristin in einer Urlaubssituation sein, sondern richtig eintauchen und merken, welche Unterschiede es im Alltag und im Berufsleben gibt.

Warum ausgerechnet in Italien?
Gerade im Bereich Mosaik hat man in Italien einen ganz anderen professionellen Ansatz, als man ihn in Deutschland kennenlernen kann. In Deutschland wurde historisch nicht so viel mit Mosaik gearbeitet; in Italien und besonders in Rom wurde diese Kunstform viel stärker gefördert. Deshalb war Italien für dieses Berufsfeld besonders interessant.

Was waren deine Aufgaben im Praktikum?
Meine Aufgaben waren sehr unterschiedlich. Ich habe viel vorbereitet und an Auftragsarbeiten mitgewirkt. Dazu gehörte, Steine vorzusortieren, auf die richtige Größe zuzuschneiden und in Mosaike zu legen. Ich half auch dabei, Mosaike zusammenzusetzen, mit Mörtel haltbar zu machen und zu installieren. Außerdem unterstützte ich bei Workshops – sowohl direkt während der Workshops als auch bei den Vorbereitungen. Ich putzte, legte Materialien bereit und suchte Beispielbilder heraus. Zu den regelmäßig wiederkehrenden Aufgaben gehörte es, Rahmen für kleinere Mosaike vorzubereiten, Steine und Farben zu sortieren, aufzuräumen und Etiketten zu schneiden. Es war ein bunter Mix aus allem, was im Studio anfiel und im Team aufgeteilt werden musste.

Welche Orte hast du besucht?
Ich war vor allem in Rom und habe dort viele Orte mit Mosaiken besucht, die mir teilweise von meiner Praktikumsstelle empfohlen wurden. Dazu gehörten Kirchen, aber auch Mosaike an Gebäuden unter freiem Himmel, denen man in Rom einfach begegnet.
Außerdem war ich in Ostia Antica, dem antiken Hafen von Rom. Dort gibt es die Ruinen einer sehr großen antiken Stadt und viele spannende, gut erhaltene Mosaike. Viele Mosaike in und um Rom wurden von dem Studio restauriert. Deshalb war der Besuch besonders interessant, und ich konnte viel Wissen von meinen Kolleginnen und Kollegen mitnehmen. Natürlich habe ich mir auch einige der großen Sehenswürdigkeiten Roms angesehen, darunter das Kolosseum, den Petersdom und das Pantheon – viele beeindruckende, große Bauwerke.

In welcher Sprache hast du kommuniziert?
Vor allem auf Englisch, aber auch relativ viel auf Italienisch. Mein Italienisch wurde mit der Zeit deutlich besser. Ein bisschen Spanisch und Französisch kamen ebenfalls zum Einsatz, weil viele Touristen da waren. Die meisten kamen aus den USA, aber ich ließ mich auch mit Menschen, die andere Sprachen sprachen, auf Gespräche ein.

Welchen Menschen bist du begegnet? Wer hat dich unterstützt und betreut?
In erster Linie haben mich meine Kolleginnen und Kollegen und meine Vorgesetzte unterstützt. Es ist ein relativ kleines Team von etwa zehn bis fünfzehn Personen, die immer mal wieder wechselten. Giuliana war eigentlich jeden Tag da und hat mich vor allem betreut. Alle waren sehr nett und aufgeschlossen und wollten ihr Wissen weitergeben – nicht nur über das Mosaikmachen, sondern auch darüber, wie es ist, in einem künstlerischen Beruf, in einer Stadt wie Rom und mit Touristen zu arbeiten. Sie haben viel erzählt und mich an die Hand genommen. Das war sehr schön.
Außerdem habe ich das Praktikum nicht allein gemacht. Eine gute Freundin absolvierte zur selben Zeit dort ihr Praktikum. Es war schön, dass wir uns gegenseitig hatten, gemeinsam die Stadt entdecken und die Zeit miteinander erleben konnten.

Was hast du Neues gelernt? Was hast du über dich selbst gelernt?
Ich habe sehr viel über Mosaike gelernt. Das Thema hatte mich schon vorher interessiert, aber es ist schwierig, einen Zugang dazu zu bekommen, wenn man kein Praktikum machen kann oder nicht das Geld für einen Workshop hat. Im Studio lernte ich viel über das Handwerk und seine Geschichte: viele kleine Details, aber auch größere Prinzipien und Regeln. Auch sprachlich habe ich viel Neues gelernt und mitgenommen. Ich hatte gar nicht erwartet, wie viel man in einem Monat lernen kann. Über mich selbst habe ich herausgefunden, dass ich mich in einer neuen und relativ großen Stadt wie Rom gut orientieren kann. Es dauerte nicht lange, bis ich einen groben Überblick hatte und wusste, wo ich war und wohin ich gehen musste. Darüber war ich sehr glücklich.
Ich habe aber auch erkannt, dass Mosaik zwar ein tolles Hobby und ein sehr spannendes Handwerk ist, vermutlich aber nicht mein Berufswunsch. Ich bin vielleicht etwas grobmotorischer; die Arbeit ist mir ein bisschen zu kleinteilig und langsam. Ich muss schneller Ergebnisse und einen Unterschied sehen.

Was war das überraschendste, aufregendste oder tollste Erlebnis?
Mein tollstes Erlebnis war die Fertigstellung eines großen Mosaikprojekts. Als ich ins Studio kam, war es schon fast fertig, sodass ich nur noch wenig daran mitarbeitete. Ich durfte aber helfen, es zusammenzulegen, auf den Untergrund zu kleben und so zu installieren, dass es fertig und betretbar war. Wir haben das mit dem ganzen Team gemeinsam gemacht. Alle waren sehr stolz auf ihre Arbeit und auf das große Mosaik, in das viel Zeit geflossen war. Es war toll zu sehen, wie alles zusammenkam und am Ende das fertige Ergebnis entstand.

Gab es auch mal schwierige Situationen? Wie bist du damit umgegangen?
Meine schwierigste Situation entstand nicht während des Praktikums oder Aufenthalts, sondern schon davor: Die Wohnungssuche war nicht einfach. Als ich aufbrach, war ich nicht sicher, ob ich wirklich vor einer Wohnung stehen würde oder ob ich gescammt worden war. Das war ein großer Stressfaktor, zumal der Kontakt zu meinem Vermieter schwierig war. Aber ich bin mit viel Vertrauen und einem Plan B losgefahren und für den Fall, dass ich vor verschlossener Tür oder gar keiner Wohnung stehen würde, hatte ich mir überlegt, was ich tun könnte. Glücklicherweise hat alles geklappt und ich hatte eine Wohnung. Das war die schwierigste und stressigste Situation im Zusammenhang mit meinem Auslandsaufenthalt.

Würdest du ein Auslandspraktikum weiterempfehlen?
Ich würde ein Auslandspraktikum auf jeden Fall immer weiterempfehlen. Es war bereits mein zweites Praktikum im Ausland; vor etwa anderthalb Jahre hatte ich schon einmal eines gemacht an einem Theater in der Schweiz. Ich finde, das ist eine wirklich großartige Erfahrung.
Ein Praktikum finde ich generell sehr interessant, besonders wenn es länger als ein ein- oder zweiwöchiges Schülerpraktikum dauert. Man bekommt einen ganz anderen Einblick in einen Beruf oder ein Unternehmen. Wenn man das auch noch mit der Berufswelt eines anderen Landes verbinden kann, ist es besonders lohnend. Gerade im Handwerk gibt es Tätigkeiten, die in Deutschland nicht so vertreten sind wie in anderen Ländern.
Durch ein Praktikum bekommt man außerdem einen besonderen Zugang zu einem Land. Man zieht nicht dorthin und steht vor dem Nichts, sondern hat durch den Betrieb eine Anlaufstelle und einen Alltag. Ein anderes Land auf diese Weise zu erleben, würde ich immer weiterempfehlen.

Welchen Rat würdest du interessierten MitschülerInnen geben?
Ich würde raten, es einfach zu machen. Für mich war es eine gute Lösung, meine zweimonatige Praktikumszeit aufzuteilen: einen Monat in Deutschland bei einem Unternehmen und einen Monat in dem Mosaikstudio in Rom. Dadurch bekam ich noch mehr Einblicke.
Wer unsicher ist, ob zwei oder sogar drei Monate allein in einem anderen Land zu schaffen sind, oder noch bei den Eltern wohnt und nie allein gelebt hat, kann vielleicht nur einen Monat oder die Hälfte der Praktikumszeit im Ausland verbringen. Das kann den Einstieg erleichtern. Gleichzeitig kann man mehr Erfahrungen sammeln, in unterschiedliche Bereiche hineinschnuppern und sich mehr anschauen. Für mich war diese Aufteilung eine gute Lösung, und ich kann mir vorstellen, dass andere sie ebenfalls gut finden.

Hat das Stipendium alle Kosten gedeckt?
Für mich hat es ganz genau gepasst. Bei den Reisetickets muss man schauen, dass man einen guten Preis bekommt, denn dafür kann man sehr viel oder mit etwas Glück recht wenig bezahlen. Ich musste vor Ort nicht ständig aufs Geld achten und konnte gut leben.

Für weitere Informationen und Hilfe bei den Formalitäten steht unsere Europakoordinatorin Frau Timpe bereit.